Praxisbeispiel
Praxisbeispiel
Konstruktive Konfliktbearbeitung im Berliner
Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
Mobbing macht die
Betroffenen krank und schadet dem Unternehmen. Unbearbeitete Konflikte sind
meist die Ursache - ein ganzheitliches Konzept der Mobbingprävention sollte
deshalb vor allem eine konstruktive Bearbeitung von Konflikten zum Ziel haben.
Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg geht diesen Weg der Konfliktkultur mit
einer neuen Dienstvereinbarung, weg von der klassischen Mobbingabwehr, um
Konflikte wertschätzend und konstruktiv zu lösen.
Kommunikation und zwischenmenschliche Beziehungen sind ein
wesentlicher Faktor für die Gesundheit der Mitarbeiter. Konflikte entstehen
immer dann, wenn betriebliche Veränderungsprozesse nicht ausreichend gestaltet
und bearbeitet werden. Dennoch ist Mobbing für viele Unternehmen immer noch ein
heißes Eisen, weil wirkungsvolle Prävention und Bekämpfung des Phänomens eine
selbstkritische Analyse der Arbeitsbedingungen, des Führungsstils und der
Unternehmenskultur erfordert. Das Bezirksamt Friedrichhain-Kreuzberg erkannte
die Chancen einer gelebten Konfliktkultur als Möglichkeit der Weiterentwicklung
und führte eine Dienstvereinbarung (DV) zur konstruktiven Konfliktbearbeitung
ein, die die Ziele hat:
1. partnerschaftliche Vereinbarungen zu treffen, die die gegenseitige
Wertschätzung und den gegenseitigen Respekt fördern
2. hocheskalierende Konflikte soweit wie möglich zu vermeiden, da sie
Personen schädigen und betriebswirtschaftlich relevante Kosten produzieren
Zur Umsetzung der DV wurde eine zentrale Koordinierungsstelle
gebildet. Über zehn ehrenamtliche Konfliktberater/innen beraten
Konfliktparteien, moderieren und meditieren Konfliktlösungsprozesse und fordern
bei Bedarf auch externe Unterstützung an. Für ungelöste hoch eskalierte
Konfliktlagen wurde eine Regulierungskommission eingerichtet, der verschiedene
Vertreter des Bezirksamtes und die Beschäftigtenvertretungen angehören. Die
Regulierungskommission tritt auf Antrag einer Konfliktpartei zusammen. In
Fällen von hoch eskalierten Konflikten oder Mobbing schlägt die
Regulierungskommission der Dienststellenleitung eine Maßnahme vor. Dabei geht
es dann nicht mehr um eine konstruktive Lösung, sondern um einen Machteingriff,
der die konfliktreiche Situation dauerhaft beseitigt.
Zur Implementierung des Verfahrens wurden
Ø alle
Beschäftigten mittels Mitteilungsblatt, Intranet, Flyer, Mitarbeiterzeitung
informiert,
Ø Startworkshops
durchgeführt und
Ø umfangreiche
Schulungen für Führungskräfte und Mitarbeiter/innen durchgeführt.
Ergebnisse
Ø Die
Regulierungskommission musste bisher nicht zusammentreten.
Ø Die
Konfliktberater/innen wurden seit Inkrafttreten der Dienstvereinbarung zu mehr
als 85 Konflikten hinzugezogen.
Erfolgsfaktoren
Ø
Vertraulichkeit und Verschwiegenheit - keine Weitergabe von Informationen
durch die Konfliktberater an Dritte
Ø
Erreichbarkeit der Konfliktberater
Ø
Akzeptanz der Konfliktberater in ihrer Rolle durch die Ratsuchenden
Ø Unterstützung der Dienststellenleitung,
der Vorgesetzten der Konfliktberater und der Beschäftigtenvertretungen
Kontakt
Ansprechpartner im Unternehmen:
Wolfgang Dennier
Personalentwicklungsberatung / Koordinierungsstelle Konfliktregelung
Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin
Frankfurter Allee 35/37
10247 Berlin
Tel.: 030 - 902 98 4359 Quelle: http://www.inqa.de/
29.06.2009